
Epiphanie - Erscheinung des Herrn
Ich habe einen Artikel in einer Zeitschrift zum Jahresschluß gelesen. Das Thema ist: Glück. Der letzte Satz des langen Artikels lautet: 'Genauer betrachtet handelt es sich um einen wunderbaren Selbstbetrug.' Glück ist reiner Selbstbetrug. Was sofort zur Frage reizte: 'Und was ist mit Unglück'?
Es werden im Artikel viele Glücksforscher beschworen: Happylogie heißt das neue Fach oder Science of Happiness, das dem Glück auf die Spuren kommen will. Sie hat herausgefunden, daß Glück eine biologische Grundlage hat. Es hat letztlich mit Endorphinen zu tun, die nicht zuletzt durch Schmerz angeheizt werden können. Alles nur eine Frage der Chemie mit entsprechendem psychischen Reizen. Daß Religion mit ihren Ewigkeitsprojektionen noch sinnstiftend sein könnte, haben viele Menschen so wie so aufgegeben. 'Ein scharfer Verstand vermag jeden Sinn zum zerfetzen'. Was für solche Artikel letzter Schluß ist, ist in der Mystik eine Binsenwahrheit und Ausgangspunkt des Suchens.
Im heutigen Evangelium stoßen wir auf drei 'Glückssucher', drei Könige, drei Weise, drei legendäre Gestalten. Epiphanie nennt das Christentum dieses Fest, Dreikönige sagt der Volksmund. Was wir feiern ist die mythische Einkleidung eines sich ständig wiederholenden Ereignisses im Menschen. Wir sind diese Magier. Wir sind die Glückssucher. Epiphanie, Erscheinung Gottes sagt uns, daß es um uns geht an diesem Fest.
Ihr wißt, daß religiöse Aussagen im Mythos zu finden sind und nicht im historischen Ereignis. Ob da historisch etwas wahr ist oder nicht, kümmert in diesem Zusammenhang wenig.
Der Mythos von den drei Weisen charakterisiert unser Leben hier und jetzt. Wir kommen von weit her gegangen, wie wir gleich singen werden. Aus der Dunkelheit der Ichzentrierung. In dieser Dunkelheit sieht die Welt ganz anders aus, - 'verhangen' und 'dunkel', sagt das Lied. Auch wir haben erst bei Herodes gesucht und in vielen Palästen, bis wir erkannt haben: Dort ist es nicht zu finden. Es dauert lange, bis der Mensch erkennt, es offenbart sich in jeder Blume, in jedem Stein, in jedem Menschen, in jedem Wesen. Damit wir es lernen, feiern wir Eucharistie.
So wie das göttliche Leben, in Brot und Wein aufscheint, scheint es in allem auf, wenn unsere Augen sehend geworden sind. - Wir sind nicht anthropomorph, wir sind theomorph, wir sind nicht menschenförmig, wir sind gottesförmig.
Es gibt nichts, was nicht gottesförmig wäre.
Es gibt nichts, was nicht SEINE Epiphanie wäre.
Es dauert lange bis wir das erkennen, daß Gott in uns Mensch geworden ist. Aber wenn wir es erkannt haben, ändert es unsere Weltanschauung im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn wir endlich aufhören Religion als eine Beziehung zu einem äußeren Wesen zu begreifen.
Was wir im Zen und in der Kontemplation tun ist also nicht so eine überflüssige Marotte, sondern ist der Weg zur vollen Menschwerdung. Und darum ist es wert, daß wir alles auf eine Karte setzen, um seine Epiphanie in uns und in allem zu erkennen. Spiritualität als Lebensqualität.
Genau das erkannte Shakyamuni Buddha am Tage seiner Erleuchtung: Alle Wesen haben die Buddhanatur. Alle Wesen sind eine Epiphanie Gottes, würden wir als Christen sagen. Das ist die Heilsaussage dieses Festes.
Was der Mensch unter Glück versteht und was er unter Heil versteht, ist nicht dasselbe. Glück und Heil gehören zwar irgendwie zusammen, aber wenn wir zu diesen Worten Assoziationen suchen, kommen wir auf ganz verschiedene Begriffsinhalte. Glück hängt zusammen mit angenehmen Erlebnissen. Dazu gehört Essen, Wohnen, Erfüllung der leiblichen Bedürfnisse, aber auch Angenommensein, Zuwendung, Status haben, Geborgenheit. - Nicht zum Glück gehören Angst, Leid, Konflikte, Einsamkeit, Tod.
Heil dagegen meint etwas ganz anderes. Wenn wir von Heil sprechen, denken wir nicht einfach an ein glückliches Leben. Heil meint viel mehr, eine endgültige Antwort auf den Sinn des Lebens gefunden zu haben.
Die Heilswege sind zwar ganz verschieden, haben aber alle eines gemeinsam. Sie führen durch Konfrontation, durch Not, durch Angst, durch Sterben und Tod. Das Leben Jesu, das wir das Jahr über feiern, zeigt uns diesen Heilsweg auf und wir gehen mit ihm durch alle Etappen von Geburt über den Berg Tabor zum Berg Golgotha und zur Auferstehung.
So können sich Heil und Glück in unserem Leben widersprechen. Der Weg zum Heil ist keine breite Straße. Er führt durch eine enge Pforte, über einen steilen Weg, durch die Wüste, durch die Nacht, er führt durch die Tiefe des Unbewußten, dort werden wir konfrontiert mit Menschen, mit der Welt, mit Teufel, mit Tod und mit Gott. Wer ihn zu Ende geht wird Heil.
Caspar - Melchior - Balthasar - Christus mansionem benedicat!
Es ist keine Magie, wenn wir diese Kreide weihen. Es ist ein Ritual, das uns auch im Alltag an unsere ewige Bestimmung erinnern soll. Daß unser Haus, unsere Familie, unsere Arbeit Epiphanie Gottes sind. - Gleichzeitig ist es ein Wunsch. Wünsche senden Energien aus. Und so wird diese Inschrift über den Türen unserer Häuser auch eine Quelle positiver Energien oder wie wir als Christen sagen zum Segen.
O Gott!
Segne diese Kreide, mit der wir die Türen unserer Häuser mit deinem Namen beschriften. Schenke allen, die hindurchschreiten Einsicht und Weisheit, Liebe und Frieden in ihrem Herzen. Amen
"Die Essenz aller Religionen ist in ihren mystischen Erfahrungen zu finden."
Dieser mystische Weg führt aus der Versenkung zurück in die Welt und in die Weltverantwortung. Er führt in die Aktion, ins Handeln und zum Mitmenschen und ist Grundlage einer Ethik der Liebe, die im anderen Menschen sich selbst erkennt".
www.willigis-jaeger.de
Willigis Jäger antwortet auf Fragen von Gerda Kuhn Bayern 2, Radio Wissen.
August 2011
www.br-online.de/bayern2/radiowissen/radiowissen-zen-buddhismus-ID1313484630755.xml
auf podcast klicken und scrollen bis
17.08.2011

Mit einem Vorwort von Willigis Jäger,
einem Nachwort
von Beatrice Grimm
und Bildern von Petra Wagner
Woher komme ich? – Wer bin ich? - Warum bin ich da? – Wohin gehe ich? Alle Religionen tragen die entscheidenden Antworten auf diese existenziellen Fragen des Lebens in sich.
Für viele Menschen werden diese Fragen in der heutigen Zeit jedoch von den religiösen Institutionen kaum zufriedenstellend beantwortet. Hinter unserer rationalen Erkenntnis liegt eine Ebene der inneren Erfahrung. Dort finden sich die wirklichen Antworten für eine tiefere Sinndeutung unseres Lebens.
Die vorliegende Sammlung von Gedichten und Texten spiegelt die Erfahrung weiser Männer und Frauen unterschiedlicher Traditionen und Epochen wider.
Diese können unsere tiefe Sehnsucht nach Ganzheit berühren und sowohl den Erfahrenen als auch den tastend Suchenden Mut machen, sich auf eine umfassendere Seinserfahrung einzulassen.
Zu bestellen über
mail@wege-der-mystik.de
Preis: EUR 12,80/ CHF 20,-
plus Versandkosten
oder über den Buchhandel
ISBN: 978-3-9810310-5-8
Am 23. Oktober 2009 fand im Bailin Tempel – dem Tempel und der Grabstätte des Chan (jap. Zen)-Meisters Joshû südlich von Peking – eine sehr berührende Zeremonie statt:
Chan- Altmeister Jing Hui übertrug – im Beisein des Chan-Meisters und Abtes des Bailin Klosters Ming Hai und zahlreicher Mönche und Gäste – an Willigis Jäger den Dharma.
Damit wurde Willigis Jäger als 45. Nachfolger des Chan-Meisters Lin chi (jap. Rinzai) bestätigt.
In der Rede zur Dharmaübertragung wies Jing Hui darauf hin, dass er Willigis, der ja bereits bestätigter Meister der japanischen Sanbo-Kyodan-Schule sei, nochmals als solchen ‚von Herz zu Herz’ das Dharma übertrage. Bedeutend sei auch die Tatsache, dass Willigis bereits von Yamada- Koun Roshi den Dharma-Namen „Leere Wolke“ (Kyo-un ) bekommen habe und damit den gleichen Dharma-Namen trage wie sein eigener Dharma- Vater Chan-Meister Xu Yun (1840-1959). Den Namen „Leere Wolke“ trage jetzt auch die im Sommer 2009 gegründete Zen-Linie von Willigis Jäger.

Anders von Gott reden
mit Bildern von Petra Wagner
Via Nova Verlag
136 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-86616-061-3
Preis: € 14,80
Willigis Jäger sagte einmal, dass dies für ihn sein wichtigstes und schönstes Buch sei.
Er begibt sich in diesem Buch auf die Suche nach einem tieferen und ganzheilichen Verständnis des Christseins. Biblische Texte werden in einer mystisch-spirituellen Dimension erschlossen. Gott ist für ihn das evolutionäre Urprinzip, das sich in jedem Augenblick vollzieht. Indem Willigis Jäger anders von Gott redet, bringt er uns ein zeitgemäßes Verständnis von Gott nahe.
Die Texte werden begleitet von kontemplativen Bildern der Künstlerin Petra Wagner.
Zu den Bildern von Petra Wagner sagt der Autor: "In der Stille- durch die Stille - aus der Stille. Die Bilder sind aus der Stille geboren und wollen den Betrachter wieder in die Stille führen. Die Kunst ist die Schwester der Mystik. Sprache und Bild sind Gleichnis und versuchen dem Unsagbaren Ausdruck zu geben. Sie sprengen den vordergründigen, vom Ich besetzten Erfahrungsraum und geleiten in die spirituelle Ebene, in den eigentlichen Bereich des Religiösen."
Sein Anliegen ist die christliche Mystik wieder in die Kirche zurückzubringen und der christlichen Religion einen Weg in die Zukunft zu öffnen.
willigis jäger sagt:
"der mensch wünscht sich einen himmel, in dem es kein schlechtes wetter, keine zahnschmerzen, keine erdbeben, überschwemmungen, kriege, feindschaften und probleme gibt. aber es gibt nichts außerhalb dieses urprinzips. es ist alles eingeschlossen, was sich da in uns und um uns vollzieht, auch leid, krieg und tod. es gibt nichts außer diesem göttlichen tanz. "religiös sein" heißt, mitzutanzen und sich als tänzerin oder tänzer und als tanz zu erfahren. es fehlt uns leider oft die leichtigkeit des lebens. die leichtigkeit des tanzes, die leichtigkeit des kommens und gehens, des geborenwerdens und sterbens. wir sind schlechte tänzerInnen. wir möchten immer den schritt machen, der nicht dran ist. dadurch verhaspeln wir uns, treten uns und anderen auf die zehen."
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